Die Sektion Wildspitze trauert um Auer Hansjörg

verunglückt am 16. April am Howse Peak, Kanada

Nachruf auf Hansjörg Auer 

Hansjörg stammte aus Umhausen im Ötztal. Dort wuchs er als Sohn einer Bauernfamilie mit drei Brüdern und einer Schwester am elterlichen Hof auf.  

Hansjörgs Kindheit war recht unbeschwert und immer wieder von sportlichen Aktivitäten geprägt. In jungen Jahren galt seine Leidenschaft vorwiegend Ausdauersportarten. Vor allem seinen Hausberg, den Narrenkogel, bestieg er immer wieder in unglaublichen Zeiten, die bis heute noch kopfschüttelnd bestaunt und bewundert werden.  
Seine Liebe zum Fels begann an einem kleinen Kletterfelsen hinter dem elterlichen Bauernhof. Bei einem Kletterkurs des Alpenvereins holte er sich die nötigen Basics und  nach einigen Jahren harten Trainings gelangen Hansjörg schon bald die ersten alpinen Wände. Eine davon war die Eiger-Nordwand, welche er mit seinem Bruder Matthias bezwingen konnte.  
Er war immer wieder auf der Suche nach neuen Herausforderungen, seine Motivation Neues zu entdecken war unerschöpflich.
 
Hansjörgs Tourenliste ist ebenso beeindruckend wie in der Bergsteigerszene weltweit bekannt.  
Für den ersten ganz großen Paukenschlag sorgte er 2007 mit seiner Free-­Solo-­Begehung des „Weg durch den Fisch“ (IX-­) an der 900m hohen Marmolada-­Südwand, der als Meilenstein in die Bergsteigergeschichte eingehen sollte und Hansjörg über Nacht bis weit über die Grenzen des Ötztals hinaus bekannt machte.
Es folgten viele weitere Touren im High-­End-­Bereich des alpinen Kletterns, wie „Steps across the Border“ (X) an der Marmolada Südwand, die erste Rotpunkt-­‐Begehung der „Vogelfrei“ an der Schüsselkarspitze, die bohrhakenfreie Erstbegehung von Silberschrei (IX) am Heiligkreuzkofel und die erste Wiederholung der „Pan Aroma“ (X+) an der Westlichen Zinne.
 
Auch an den hohen Bergen der Welt hinterließ Hansjörg seine Spuren, wie zum Beispiel an
der Kompressorroute am „Cerro Torre“ (VII), „Eternel Flame“ (IX) an den Trango Towers (6251m), oder an der bis dato nicht frei gekletterten „Hallucinogene Wall“ im Black Canyon-­Colorado.
Zu seinen persönlichen Highlights zählten die Erstbesteigung der Ostwand des 7400 Meter hohen Kunyang Chhish East im Karakorum und der Westgipfel des Lupghar Sar West (7152m) in Pakistan.
 
Seinen ursprünglichen Beruf, Lehrer für Mathematik und Sport, hat Hansjörg nicht sehr lange ausgeübt. Seine bergsteigerischen Leistungen blieben auch namhaften Sponsoren nicht verborgen, die es ihm sehr bald ermöglichten, ein Leben als Profibergsteiger zu führen.

Hansjörg war sehr viel allein unterwegs. Er hat die Herausforderung beim Soloklettern gesucht und die intensiven Momente ausgekostet. Seine „Solo Klettereien“ hat er stets sehr akribisch geplant und nur bei optimalen Rahmenbedingungen (Wetter, Verhältnisse, Kopf) durchgeführt.  
Hansjörg war sich der Gefahr bewusst, machte sich viele Gedanken.
Dabei dachte er auch an seine Freundin, seine Familie und seine zahlreichen Freunde.

2015, am Nationalfeiertag, verlor Hansjörg einen seiner Freunde, den 27-­jährigen Ötztaler Gerhard Fiegl, bei der Besteigung der bis dato noch nie bezwungenen Südwand des 6839 Meter hohen Nilgiri in der Annapurna-­Region. Dort kam es nach der Gipfelbesteigung im Abstieg zur Tragödie. Gerry, Hansjörgs langjähriger Freund, stürzte vor seinen Augen in den Tod.

Hansjörg verunglückte am 16. April 2019 in Kanada am Howse Peak im Banff-­Nationalpark. Die Ötztaler Alpin-­ und Kletterszene verliert mit Hansjörg einen Freund, Bruder und Weggefährten, der trotz seiner herausragenden Leistungen und seines hohen Bekanntheitsgrades immer am Boden blieb.

Für die Sektion Wildspitze
Mathias Nössig

veröffentlicht am

Neuigkeiten

Die Sektion Wildspitze trauert um Auer Hansjörg

verunglückt am 16. April am Howse Peak, Kanada

Nachruf auf Hansjörg Auer 

Hansjörg stammte aus Umhausen im Ötztal. Dort wuchs er als Sohn einer Bauernfamilie mit drei Brüdern und einer Schwester am elterlichen Hof auf.  

Hansjörgs Kindheit war recht unbeschwert und immer wieder von sportlichen Aktivitäten geprägt. In jungen Jahren galt seine Leidenschaft vorwiegend Ausdauersportarten. Vor allem seinen Hausberg, den Narrenkogel, bestieg er immer wieder in unglaublichen Zeiten, die bis heute noch kopfschüttelnd bestaunt und bewundert werden.  
Seine Liebe zum Fels begann an einem kleinen Kletterfelsen hinter dem elterlichen Bauernhof. Bei einem Kletterkurs des Alpenvereins holte er sich die nötigen Basics und  nach einigen Jahren harten Trainings gelangen Hansjörg schon bald die ersten alpinen Wände. Eine davon war die Eiger-Nordwand, welche er mit seinem Bruder Matthias bezwingen konnte.  
Er war immer wieder auf der Suche nach neuen Herausforderungen, seine Motivation Neues zu entdecken war unerschöpflich.
 
Hansjörgs Tourenliste ist ebenso beeindruckend wie in der Bergsteigerszene weltweit bekannt.  
Für den ersten ganz großen Paukenschlag sorgte er 2007 mit seiner Free-­Solo-­Begehung des „Weg durch den Fisch“ (IX-­) an der 900m hohen Marmolada-­Südwand, der als Meilenstein in die Bergsteigergeschichte eingehen sollte und Hansjörg über Nacht bis weit über die Grenzen des Ötztals hinaus bekannt machte.
Es folgten viele weitere Touren im High-­End-­Bereich des alpinen Kletterns, wie „Steps across the Border“ (X) an der Marmolada Südwand, die erste Rotpunkt-­‐Begehung der „Vogelfrei“ an der Schüsselkarspitze, die bohrhakenfreie Erstbegehung von Silberschrei (IX) am Heiligkreuzkofel und die erste Wiederholung der „Pan Aroma“ (X+) an der Westlichen Zinne.
 
Auch an den hohen Bergen der Welt hinterließ Hansjörg seine Spuren, wie zum Beispiel an
der Kompressorroute am „Cerro Torre“ (VII), „Eternel Flame“ (IX) an den Trango Towers (6251m), oder an der bis dato nicht frei gekletterten „Hallucinogene Wall“ im Black Canyon-­Colorado.
Zu seinen persönlichen Highlights zählten die Erstbesteigung der Ostwand des 7400 Meter hohen Kunyang Chhish East im Karakorum und der Westgipfel des Lupghar Sar West (7152m) in Pakistan.
 
Seinen ursprünglichen Beruf, Lehrer für Mathematik und Sport, hat Hansjörg nicht sehr lange ausgeübt. Seine bergsteigerischen Leistungen blieben auch namhaften Sponsoren nicht verborgen, die es ihm sehr bald ermöglichten, ein Leben als Profibergsteiger zu führen.

Hansjörg war sehr viel allein unterwegs. Er hat die Herausforderung beim Soloklettern gesucht und die intensiven Momente ausgekostet. Seine „Solo Klettereien“ hat er stets sehr akribisch geplant und nur bei optimalen Rahmenbedingungen (Wetter, Verhältnisse, Kopf) durchgeführt.  
Hansjörg war sich der Gefahr bewusst, machte sich viele Gedanken.
Dabei dachte er auch an seine Freundin, seine Familie und seine zahlreichen Freunde.

2015, am Nationalfeiertag, verlor Hansjörg einen seiner Freunde, den 27-­jährigen Ötztaler Gerhard Fiegl, bei der Besteigung der bis dato noch nie bezwungenen Südwand des 6839 Meter hohen Nilgiri in der Annapurna-­Region. Dort kam es nach der Gipfelbesteigung im Abstieg zur Tragödie. Gerry, Hansjörgs langjähriger Freund, stürzte vor seinen Augen in den Tod.

Hansjörg verunglückte am 16. April 2019 in Kanada am Howse Peak im Banff-­Nationalpark. Die Ötztaler Alpin-­ und Kletterszene verliert mit Hansjörg einen Freund, Bruder und Weggefährten, der trotz seiner herausragenden Leistungen und seines hohen Bekanntheitsgrades immer am Boden blieb.

Für die Sektion Wildspitze
Mathias Nössig

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